1. Als Kampfsportler bin ich unbesiegbar.

Niemand ist unbesiegbar, egal ob Schwarzgurtträger oder Box-Weltmeister. Eine Selbstverteidigungs-Situation beispielsweise verlangt mehr als das automatische Abrufen von Techniken. Mögliche behindernde Faktoren wie eine Schockstarre können jeden treffen – vor allem, wenn er/sie sich das erste Mal in einer Gefahrenlage befindet. Allerdings haben Kampfsportler durch ihr Training natürlich Vorteile – die es zu nutzen gilt. Nicht nur Griffe und Techniken können im Notfall helfen; auch ein gestärktes Selbstwertgefühl kann Wunder wirken. Die wenigsten Täter rechnen mit Gegenwehr – und lassen sich oft schnell in die Flucht schlagen, wenn man sich nicht als wehrloses „Opfer“ entpuppt.

2. Auf der Straße darf ich meine Techniken nicht anwenden.

In der Schweiz ist klar geregelt: Selbstverteidigung ist erlaubt. In § 32 Absatz 1 StGB heißt es: „Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.“ Absatz 2 besagt, dass Notwehr die Verteidigung sei, „die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“ Die Verteidigung muss dabei „verhältnismäßig“ sein.

3. Selbstverteidigung ist was für Frauen.

Zuerst einmal: Selbstverteidigungstechniken sind für BEIDE Geschlechter geeignet und empfohlen. Entgegen der allgemeinen Vorstellung werden Jungen und Männer häufiger Opfer von Gewalttaten. Im Bereich der Sexualdelikte sind die Opfer jedoch zum Großteil weiblich. Fakt ist: Es schadet nie, Selbstverteidigungstechniken zu lernen und zu verinnerlichen – unabhängig vom Geschlecht.

4. Kampfsportler sind „aggressive Kampfmaschinen“.

Dieses Vorurteil ist leider weit verbreitet. Vorstellungen wie „Kampfsport ist was für Schläger“ oder „Das machen doch nur aggressive Brutalos“ herrschen immer noch in den Köpfen vieler Leute. Dabei sind Schläger in Kampfsportschulen alles andere als willkommen. Wer sich als aggressiv herausstellt, wird sofort vom Training ausgeschlossen. Beim Kampfsport werden Gewalt und Aggression nicht gefördert, sondern vielmehr „kanalisiert“. Klare Regeln und Wertvorstellungen, wie Respekt und Disziplin, sorgen für Sicherheit und Orientierung.

5. Kampfsport schädigt die Gesundheit.

Ob Fußball, Tennis oder Kampfsport, Risiken gibt es überall. Minimieren lassen sich diese im Kampfsport u. a. durch ein effektives Aufwärmtraining, gegenseitigen Respekt unter Trainingspartnern, das genaue Befolgen von Anweisungen des Trainers und nicht zuletzt der Kampfausrüstung (inklusive Mundschutz, Bandagen, Hand- und Fußschützern etc). Auch spielt es eine große Rolle, wie sauber Techniken ausgeführt werden. Wie „gefährlich“ z. B. ein Kampf ist, hängt natürlich auch vom Kampfsportstil ab. So muss etwa ein Vollkontakt-Boxer eher mit Verletzungen rechnen als ein Leichtkontakt-Kickboxer. Bei Wettkämpfen kommt es (je nach Kampfsportart) gar nicht unbedingt darauf an, ein K.o. zu erreichen (oft nicht einmal erlaubt). Im Gegenteil: Punkte gibt es für technisch saubere Treffer.

Weitere Themen die Interessant sein Können