Jeet Kune Do

wurde 1967 von Bruce Lee entwickelt. Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfkunstarten gibt es keine Regularien und festgelegten Technikfolgen, die einen eigenen Jeet Kune Do – Stil bilden. Jeet Kune Do (JKD) ist ungebunden; JKD ist Freiheit. Es besitzt alles, und ist doch von nichts besessen (d.h. es besitzt „Techniken von allen Stilen und ist doch nicht an „Regeln„ dieser Stile gebunden.) Wer JKD richtig versteht, ist in erster Linie an seiner befreienden Kraft interessiert, die es vermittelt, wenn es als Spiegel zur Selbsterkenntnis eingesetzt wird.

In der Vergangenheit haben viele versucht, JKD als einen bestimmten Stil zu definieren: Bruce Lees Kung Fu, Bruce Lees Karate, Bruce Lees Kickboxen, Bruce Lees System für den Strassenkampf. JKD als “Bruce Lees Kampfstil” zu bezeichnen, bedeutet, Bruce Lees Anliegen – und damit das des JKD – völlig falsch zu verstehen. Die Inhalte des JKD können nicht in ein einzelnes System gepresst werden. Um das zu erkennen, muss ein Kämpfer die Dualität des „Für „ und „Wider „ überwinden und nach jenem Punkt der Einheit streben, der jenseits von blosser Gegenüberstellung liegt. JKD verstehen heisst, diesen Punkt der Einheit gefühlsmässig direkt zu erfassen. Wie Bruce Lee sagte: Wissen in der Kampfkunst bedeutet letztendlich Selbsterkenntnis.

JKD ist kein neuer Stil. Bruce Lee erfand eben keinen neuen oder zusammengesetzten Stil, und er wandelte auch keinen Stil ab, um ihn von irgendeiner vorhandenen Kampfart zu unterscheiden. Seine Idee war, seine Schüler davon zu befreien, sich nach irgendeinem Stil, System oder einer einengenden Form ausrichten zu müssen. Es muss betont werden, dass JKD nur ein Name ist, ein Spiegel, der uns selbst zeigt. Es gibt so etwas wie ein progressives Herangehen an das JKD-Training, aber wie Lee bemerkte: “Eine Kampfmethode zu entwickeln, ist wie das Verpacken von Wasser in Packpapier und der Versuch, es zu formen”. Von seiner Struktur her missverstehen viele Leute JKD wegen seiner hohen Wirksamkeit als einen zusammengesetzten Stil aus der Kampfkunst. Und tatsächlich kann JKD in jeder Situation dem Thai-Boxen, Wing Chun, Ringen oder Karate ähneln. Seine Bewaffnung gleicht der des philippinischen Escrima und Kali; im Distanzkampf kann es an das nordchinesische Kung-Fu oder an Savate erinnern.

Nach Lee hängt die Wirksamkeit eines jeden Stils von den Umständen und von der Kampfdistanz ab: Soldat setzt auf 50m eine Handgranate ein, aber für den Nahkampf verwendet er einen Dolch. Ein Stock, um ein anderes Beispiel zu geben, ist für den Kampf in einer Telefonzelle die falsche Waffe; ein Messer wäre hier wiederum angemessen. JKD ist nicht für und nicht gegen die Idee eines Stils. Man kann sagen, dass es sich sowohl innerhalb als auch ausserhalb aller besonderen Strukturen (aller Kampfstile) bewegt. Eben weil JKD nicht als Stil betrachtet werden möchte, kommen einige zum Ergebnis, dass es dieser Frage gegenüber neutral oder uninteressiert sei. Noch einmal, das ist nicht der Fall, denn JKD ist zugleich „dieses” und „nicht dieses” (Anm.: Diese Vorstellung entstammt dem chinesischen Ying-Yang Denken). Ein gute(r) JKD-Kämpfer/in startet seine Aktionen intuitiv. Nach Lee darf ein Stil nie eine Bibel sein, deren Prinzipien und Gesetze niemals verletzt werden dürfen. Zwischen einzelnen Personen wird es immer Unterschiede im Hinblick auf die Qualität des Trainings, den körperlichen Zustand, die geistigen Fähigkeiten, die Umweltbedingungen, die Vorlieben und Abneigungen geben. Bruce Lee sagte: Wahrheit ist eine „Strasse ohne feste Spur”; demzufolge ist JKD keine Organisation oder Institution, bei der man Mitglied sein kann.